Tamara Amhoff-WindelerH. Deneke: Nach 2 Jahren treffen wir uns nun wieder. Hat sich in der Zwischenzeit bei Ihnen einiges geändert und warum haben wir nicht mehr so viel über Sie gelesen?!

T. Amhoff-Windeler: Ja, das stimmt. Ich habe einiges verändert. Gewisse Ereignisse haben mich ruhiger in meiner Vorgehensweise gestimmt. Ich habe 10 Jahre auf der Überholspur gelebt und das musste sich ja eines Tages verändern.

H. Deneke: Was ist passiert?

T. Amhoff-Windeler: Ich wurde gesundheitlich plötzlich mit dem Tod konfrontiert, obwohl ich vorher ein völlig gesunder Mensch schien. Ja, und dieses Erlebnis hat mich innewohnen lassen und mich zu einer Pause gezwungen. Die Gesundheit setzte mir Grenzen und ich musste alles neu überdenken. Dazu brauchte ich auch unbedingt eine schöpferische Pause.

H. Deneke: Wie sieht das fotografische Überdenken aus?

T. Amhoff-Windeler: Ich hatte das Gefühl, fotografisch in meinem Sujet Schwarz-Weiß, alles im Aktbereich schon einmal fotografiert zu haben. Unbedingt bei der sanften Erotik wollte ich bleiben, aber auch erotischer werden mit dem weiblichen Blick. Es hat keinen Zweck, sich den Männerblick anzueignen, das kann „Mann“ einfach besser. Dazu kam, dass es immer schwieriger wurde, schon vor 2 Jahren, die sanfte Erotik an den Verlag zu bringen. Deren Wollen war immer, alles direkt zu zeigen, ohne Spannung und Subtilität. Vielleicht liegt es auch daran, dass Verlage zur Zeit das Sprachrohr einer gesättigten Erotikszene sind und sie meinen, dass offensivere Erotik einfach verkäuferisch mehr bringt. Ihr Herz mag ganz woanders liegen aber das bringt nicht das Geld. Ein Spagat, schade eigentlich. Außerdem sind die Verlage sehr vorsichtig geworden mit dem Verlegen von Fotobüchern.

H. Deneke: Sie hatten also durch den Anspruch der Medien und den Anspruch an sich eine kleinere Krise !

T. Amhoff-Windeler: Ja, so kann man das Gefühl nennen. Eine Krise habe ich noch heute und versuche neue, für mich befriedigende Wege.
Auf keinen Fall möchte ich meine “freien Arbeiten“ in der Schublade verschwinden lassen, sondern ich möchte meine Arbeiten mit der Welt teilen. Und ich möchte allen Fotografinnen Hoffnung bringen, dass sie sich in einer Männerdomäne auch durchsetzen können. Einige haben es sehr erfolgreich verwirklicht.

H. Deneke: Haben Sie das Gefühl, dass es Frauen in diesem Sujet schwerer haben und in der Fotografie nicht so gut akzeptiert werden und zwar hauptsächlich in der Männerdomäne: Kalenderfotografie. In der Fashionfotografie sieht man vermehrt einige sehr gute Fotografinnen.

T. Amhoff-Windeler: Das Gefühl ist bei mir ziemlich ambivalent. Einerseits machen junge Frauen sich endlich einen Namen, sie sind in zahlreichen Ausstellungen zu sehen, möchte keinen Namen bevorzugt nennen. Sie trauen sich etwas, andererseits beherrschen den Kalendermarkt zur Zeit nur noch Fotografen. Es sind hier drei Fotografen und nicht mehr. Als einzigste Frau war ich noch auf dem Markt bis letztes Jahr, 2 Frauen haben aufgegeben.
Die Kalenderfirmen meinen, Frauen sind zu unsexy in ihrer Auffassung. Das kann schon sein, dafür haben sie aber eine Sensibilität, die die Männerwelt kaum einfangen kann. Vielleicht ist die Welt für Sensibilität noch nicht genug bereit, dieses Gefühl zuzulassen und sie bevorzugt das Direkte, mit dem kann sie besser umgehen und Verlage reagieren einfach nur darauf.

H. Deneke: Aber Sie hatten doch jahrelang wunderschöne Kalender gezeigt. Ich habe zwei in Wien gekauft, die erste Buchhandlung am Platz, Männer- und Frauenfotografie der feinsten Art. Sie wurden sogar mit Awards in New York ausgezeichnet als beste Schwarz-Weiß-Fotografin. Hat Sie das nicht stolz gemacht?

T. Amhoff-Windeler. Ja, natürlich. Sehr stolz sogar. Ich habe noch Kundennachfragen, wann denn wieder ein Kalender in dieser Form kommt. Mein Verlag hat aber die Produktion von Art-Erotikkalender eingestellt. Danach habe ich einen sehr namhaften Verlag in der Branche gefunden. Ein Männerkalender, der dieses Jahr auch eingestellt wurde. Den Verlagen geht es zur Zeit nicht so gut und sie reduzieren drastisch.

H. Deneke: Wie geht es bei Ihnen weiter? Was können wir in nächster Zeit bei Ihnen in der Fotografie sehen? Auf Ihrer Homepage konnten wir natürlich etwas ganz Neues feststellen, Fashion. Sie waren also doch nicht ganz so untätig, haben nur ihr Interesse etwas verlagert. Wie kommt das?

T. Amhoff-Windeler: Ja, und das wird sich auch noch in den nächsten Jahren mit der Fashion potenzieren. Die T.AWantgarde-Modelinie wird weiterhin ausgebaut, jetzt schon auf Beachlinie, Dresses und Taschen. In Bälde wird die Modelinie auf Accessoires, wie Ketten aus Federn, Gürtel und Ohrringe vergrößert. Zuerst hatte ich eigentlich nur eine Beachlinie vor, aber nun kamen noch sehr viel mehr Interessen zusammen und ich werde sie verwirklichen. Es entsteht alles mit Liebe und Leidenschaft. Letzteres ist mein Motto insgesamt.

H. Deneke: Was ich noch sehen konnte, ist ein Filmprojekt von Ihnen, welches Modenschau mit Handlung zeigt. Das ist doch für ein Newcomer ein Novum.

T. Amhoff-Windeler. Ja, das stimmt. Und da bin ich auch an meine Grenzen gestoßen, es war rießig viel Arbeit und Liebe vonnöten. Meinen Dank nochmals an alle, die in diesem Film mitgewirkt haben. Alle Lieder sind eigens für diesen Film komponiert worden. Kameramann und digitale Bearbeitung sind von sehr guten Freunden verwirklicht worden mit sehr viel Fleiß und Enthusiasmus. Wir sind ja nun keine großen Filmer, kann ja alles noch werden. So, das war erst einmal der erste Beitrag bezüglich Film. Wir haben unser Talent in eine Story verwandelt und für uns das Beste daraus gemacht. Fashionguide-tv.com hat „Pourquoi pas“, eine kriminelle Lovestory 2 ½ Wochen auf ihrer internationalen Homepage gebracht – das habe ich als großes Kompliment verstanden.

H. Deneke: Ich kann also, von Talent und Selbstbewusstsein sprechen und wir werden sicherlich noch einiges in Zukunft von Ihnen hören.

T. Amhoff-Windeler: Ja, das werden Sie sicherlich. In meinem Job oder auch Berufung genannt, muß man einen gewissen Ehrgeiz mitbringen, Durchsetzungsvermögen, Durchhaltevermögen und Leidenschaft. Was das Wichtigste ist, immer neugierig sein und sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen.

H. Deneke: Sie malen doch auch und zwar habe ich zwei Ausstellungen von Ihnen gesehen. Wie kommt das mit der Malerei und wann haben Sie dazu noch Zeit?

T. Amhoff-Windeler: Das ist eine große Liebe, die ich schon immer ausleben wollte. Seid ungefähr 5 Jahren bin ich stetig dabei, meine Techniken zu vervollständigen. Das gelingt mir neben meinem Beruf ganz gut und es sammelten sich bereits schon 30 Malereien an. Es ist eine moderne Popart in Anlehnung an meine Aktfotografie. Manches sind Collagen mit psychologischem Ausdruck. Ich verwende also meine Aktfotografie als Layout für meine Malerei, das hat Bruno Bruni schon früher so gehandhabt. Ich sehe ihn als Inspiration, um nur einen Künstler zu nennen. Mein Empfinden ist auch, dass sich Fotografie und Malerei ergänzen.

H. Deneke: Da kommen wir doch wieder auf die Fotografie. Fotografieren Sie denn auch digital? Ich habe gelesen, dass Sie nach wie vor analog bevorzugen.

T. Amhoff-Windeler: Da muss ich zugeben, ich bin ein digitaler Spätzünder. Am Anfang war ich gar nicht von digital so begeistert, denn das minimalisiert die Arbeit der professionellen Fotografen/Fotografinnen. Jeder glaubt jetzt, ein guter Fotograf zu sein mittels Computerbearbeitung. Eigentlich schade, um das erste „Bild“, was top sein muss ohne Bearbeitung. Ich bin absolut kein Schreibtischtäter, musste mich aber dem neuen Medium zuwenden. Es gefällt mir, aber die Leidenschaft hat mich noch nicht gepackt. Es war lange Zeit nicht für mich der richtige Weg. Ich wollte meine Fotografie, meine eigenen Techniken nicht zur Allerweltsfotografie machen und künstliche Hintergründe reinziehen, scharfstellen, Haut säubern und verschönern, also das Bild letztendlich am Computer entstehen lassen. Mein Wollen nachwievor war und ist, eine authentische Fotografie des ersten Moments und nicht daran manipulieren. Jetzt werde ich aber im Sommer das erste Mal an das Thema gehen und mein Aktthema fotografisch colorig – digital unnatürlich verfremden. Mal sehen, ob dann sich die gewohnte Leidenschaft einstellt. Das mache ich aber nur für mein neues Buchprojekt „Women dressed-undressed“ und für Kalenderprojekte.

H. Deneke: Ich denke, Ihre Fashionkunden, Sie fotografieren ja auch Mode für andere Unternehmen, werden digitale Fotografie wünschen.

T. Amhoff-Windeler: Ja, das stimmt. Fashion fotografiere ich teilweise digital, wenn es gefragt ist. Ich bin auf dem Wege, dass Positive der Digitalfotografie mittlerweile zu nutzen. Es ist auch eine Neugierde dabei, wie kann ich meine ureigenste Fotografie mit digitaler Bearbeitung potenzieren, also noch mehr ein Kunstprojekt daraus machen.

H. Deneke: Haben Sie denn vor, wieder ein Buch zu veröffentlichen?

T. Amhoff-Windeler: Ja, es warten schon lange meine besten Fotos (analoge Fotografie), die ich seit zwei Jahren produziere darauf, veröffentlicht zu werden. Ich suche jetzt schon nach dem passenden Verlag. Es werden Schwarz-Weiß-Fotos und Colorbilder, die man bis jetzt von mir noch nicht kannte.

H. Deneke: Ich danke Ihnen für das aufschlussreiche Gespräch und freue mich auf Ihre neuen Projekte. Viel Glück.