| von Frau zu Mann |
Ich sehe mich als Fotografin, die ihre Arbeit als bildhafte Formulierung von erotischen Vorstellungen sieht. Die männliche Kunst-Aktdarstellung. Mit meinem Anspruch an Kunst unterscheide ich grundsätzlich den Männerakt von der bloßen Widergabe des unbekleideten Mannes. Zugegeben, die Tendenz zu einer gewissen Idealisierung ist dabei nicht zu übersehen. Im Geiste entwerfe ich den idealen Körper und dies geht somit sprichwörtlich über die Nacktheit heraus. Also sehe ich mich als Aktfotografin und nicht als Nacktfotografin. Bei meiner Arbeit bin ich auch bestrebt, nicht nur den idealisierten Körper zu erschaffen, sondern gleichermaßen das Individuum, das Unverwechselbare- das sich mir anvertraut hat - in ganz konkreter Weise, mit all seinen Eigenschaften und Faszinationen zu zeigen. Die Person mit all ihrer Sinnlichkeit und Schönheit zu erfassen und sie nicht zu einer bloßen Abbildung werden zu lassen. Der Mann ist für mich nicht nur Objekt der Schönheit - erotisches Modell -, sondern ein Mensch, der in seiner Ganzheitlichkeit wirken soll - darf - muss. Ich sehe seine Nacktheit als etwas ganz natürliches, seine erotischen Gefühle als eine Selbstverständlichkeit. Mein Ausdrucksmittel ist die Fotografie. Meine Laienmodelle sind keine willenlosen Objekte, sie wirken kreativ mit an der Entstehung des Gesamten; sozusagen in beiderseitiger Kreativität, indem der Mann nicht nur körperlich, sondern auch geistig aktiv beteiligt wird. Dadurch entstehen Fotos, die einen ganz besonderen Charakter und eine sehr eigenwillige Ausdruckskraft besitzen, wie z.B. auch Sensibilität, gepaart mit Männlichkeit. Ich suche bei meiner Arbeit nicht grundsätzlich die Harmonie, nicht ausschließlich das griechische Ideal des Schönen. Aber ich will immer - bei all meinen Aufnahmen - die erotische Ausstrahlung spürbar werden lassen, die Aura, die von dem Menschen und seiner Körperlichkeit ausgeht. Meine Bemühung ist, dass beide im Kontext stehen. Es ist immer der konkrete Körper des Mannes, den ich abbilde mit all seinen spezifischen Eigenheiten und seiner speziellen Faszination. Den Körper von der Person trenne ich nicht gerne, ich vermeide weitgehenst das Abstrahieren, sprich, den Torso zu fotografieren. Obwohl für mich in der Reduktion ein sehr spezieller Reiz liegt. Sehr häufig muss der unbekleidete Mann für werbliche Zwecke Ideale verkörpern und auf symbolische Weise diverse Tugenden zeigen. Ich möchte keine heroisierende oder zu sehr idealisierte Welt einer autonomen Körperlichkeit aufzeigen, sondern ich bin bemüht, immer ein Aktportrait zu schaffen. Oft sind die Gründe für eine Ablehnung, sich fotografieren zu lassen eigene Unsicherheit, die Angst, sich dem Körper zu stellen, dem man sich immer mehr entfremdet hat. Als allgemeine Auffassung kommt hinzu, dass Aktfotografie gleichbedeutend mit dem weiblichen Körper ist, also einen homoerotischen Beigeschmack hat. Mein Anliegen ist es u.a., ihm zu zeigen, dass das Eine mit dem Anderen für mich nichts zu tun hat und in meiner Aktfotografie die Männlichkeit nicht geschmälert wird. Die Nacktheit ist heute nichts Besonderes, sie gehört zur Körperkultur. Die erotische Komponente kommt durch die jeweilige Person und dem Fotoregisseur, der dies transparent macht. Gerne betrachte ich den Körper als ein Kunstwerk, bedaure aber, wenn dieser zu einem reinen Statussymbol avanciert - als Konsumgegenstand, ohne Profil und Persönlichkeit. Mit meiner Arbeit versuche ich Dialoge und Kontexte zu schaffen, wie Fragen der Erotik: Zugehörigkeit, Moral, Erotikempfinden, Ethik, geistige Heiterkeit etc.. Unter einem "Aktportrait" stelle ich mir nicht nur "ein" Bild vor, sondern fertige eine Reise um den Körper, ein progressives Bildnis des Mannes und dabei entsteht meist durch beiderseitige Kreativität eine Situation, wie z.B. zwischen Maler und Modell: ich inszeniere und gleichzeitig wächst der aktive Anteil des Laienmodells. Denn erst seine ureigenen Nuancen des Ausdrucks von Körper und Geist, seine Mimik, seine Gestik bestimmen das Foto und beeinflussen es zum wesentlichen Teil in seinem Sinne. Ich bin sozusagen auf die partnerschaftliche Mitarbeit meines Modells auch angewiesen. Emotionen werden privatisiert und es entsteht jene Intimität, die die Fotos brauchen Tamara Amhoff-WindeIer Fotodesignerin AGD |
Ich sehe mich als Fotografin, die ihre Arbeit als bildhafte Formulierung von erotischen Vorstellungen sieht. Die männliche Kunst-Aktdarstellung.