two by two
two by two, 3817025442 Tamara Amhoff-Windeler

128 Seiten
Format: 24,5 x 30 cm
Sprachen: Deutsch/Englisch

ISBN-10 3817025440
ISBN-13 9783817025442

€ 39,00 EUR 9,95

MAN

Tamara Amhoff-Windeler hat in diesem Bildband mit ihrem Blick und ihrem künstlerisch - ästhetischen Verständnis Fotografien der verschiedensten Ansichten von Paaren geschaffen. Die Fotografie der Paare von Tamara Amhoff-Windeler ist modern, realistisch und mit einem hohen Anspruch an Ästhetik fotografiert sehr minimalistisch, mit wenig Dekor. Die Paare sind es, die stets der Mittelpunkt des Geschehens sind. Die Persönlichkeit, das Charisma des einzelnen ist oft der Schlüssel zur Sinnlichkeit und Erotik des Duos oder Trios. Die Fotografin zeigt mit ihrer Bildsprache Humor und Sensibilität zu diesem Thema. Sie ist bereit, ihre eigene erotische Komponente zu offenbaren. Die emotionale Qualität ihrer Bilder schafft es, den Betrachter mitten in das Thema two by two hineinzuziehen.

Vorwort:

two by two, Wir und Du
Eine Annäherung an die Fotografien von Tamara Amhoff-Windeler

Solange der Mensch Kunst macht, ist er sein eigenes Thema. Und damit fing er, auf hohem Niveau, sehr viel früher an, als sich um Wirtschaftssysteme zu kümmern. Das hat sich nie geändert, das wird sich nie ändern. Worauf es ankommt, ist die jeweils neue Interpretation aus der Zeit und dem eigenen künstlerischen Blickwinkel heraus. Der Akt ist in Malerei und Skulptur, also auch in der Fotografie, die Gattung, die vom Prinzip her die "wesentlichste" ist - Kleidung als Verkleidung und als zeitgebundenes Drumherum entfällt (oder doch weitgehend), es findet eine Erkenntnis fördernde Rückführung auf das Wesen statt. Natur und Natürlichkeit, Körper und Körperlichkeit, Erotik und Botschaften der Seele kommen ins Spiel.

Gilt das für die einzelne Figur, so gilt das um so mehr für Darstellungen von Paaren, denn hier wird das künstlerische, kommunikative Spiel auf eine höhere Stufe gehoben. Hier ist Austausch zwischen den Paaren ebenso wie zwischen ihnen und dem Betrachter. Auch die Beziehung Ich (Modell) - Du (Betrachter) ändert sich zumindest in ein Wir - Du. Das hat nichts Unartiges an sich, denn eine alltägliche Kommunikationssituation findet nur in einem anderen, vielleicht nicht ganz so alltäglichen Zusammenhang statt - und verweist doch, als Folge der ästhetischen Ordnung auf das Überpersönliche, das ewig Universelle.

So könnte man sich der fotokünstlerischen Arbeit von Tamara Amhoff-Windeler nähern, besonders ihrer two by two -Serie mit Fotos von Paaren. Das erste, was auffällt, ist der konzeptuelle Antivoyeurismus, selbst dann, wenn es um erotische Anmutungen geht. Das zweite: der Humor, eine unschuldige, eine spielerische Fröhlichkeit. Das dritte ist vielleicht die unbändige Lust zu zitieren, quer durch die Kunst- und Fotogeschichte. So manches, was in kommerziellen Zusammenhang mit kalkuliertem Ernst daherkommt, wird hier augenzwinkernd inszeniert und dadurch wieder ansehnlich gemacht.

Tamara Amhoff-Windeler liebt die große Linie, das große ästhetische Zeichen im Bild. Das fördert das, was man Bildlichkeit nennen mag: Transzendierung des Abbildlichen durch Form. Sie rückt die Modelle nahe an uns heran - manchmal merken wir es durch einen kleinen Ausschnitt, der eine Szene als Ausschnitt definiert - hier öffnet sich eine partizipatorische Dimension, aber nur in der Betrachtung, denn realiter ist hier kein Bühnenstück im Gange, sondern ein Bild gemacht.

Die Fotokünstlerin dreht und spiegelt und wiederholt und zeigt so ein reiches Repertoire in der Formensprache. Diese setzt sie aber nicht gleichsam abstrakt ein: Motiv und Form stützen sich gegenseitig. Auch das Spektrum der Emotionen ist alles andere als eingeschränkt. Hier wird gelacht, dort nachgedacht, hier die Rolle der Verliebten gespielt, dort die Spannung zwischen Kühle und Leidenschaftswillen ausgelotet.

Formal wie motivisch ist das Ganze ein höchst anregender, kunsthistorisch mitreflektierter Ritt durch die Kulturgeschichte der Geschlechterbeziehungen, von der Schule von Fontainebleau zum Mythos des steinzeitlichen Frauenräubers, vom Karneval in Venedig zur modernen Form des weiblichen Narziss mit Erinnerungen an den Spiegel im Bilde bei Rubens Co. Ja, und wenn dann der aufragende Arm als Mittelachse eines Bildes den Blick auf das verwehrt, was hinter ihm vorgeht - ein Kuss - ,dann mag das symbolisch einstehen für das Werk von Tamara Amhoff-Windeler insgesamt: Wir sehen nicht was wir sehen, was ist, muss uns die ästhetische Reflexion erschließen, so war das schon immer mit der Kunst.

von Elmar Krekele
Leiter der literarischen Welt, Berlin